Moralisch in Ordnung?

 


Die Debatte über den verliehenen Echo an Farid Bang und Kollegah. Es hat „Bang“ gemacht in der Musikwelt!

Das (Achtung Wortwitz) Ende vom Lied ist also die Abschaffung des Musikpreises „Echo“. Der Bundesverband der Musikindustrie teilte mit, dass man zwar das Geschehene (Verleihung des Echos für Farid Bang und Kollegah) nicht rückgängig machen könne, wohl aber dafür sorgen wolle, dass sich solch ein Fehler nicht mehr wiederhole.



Das war es also, der „Echo“, welcher 1992 das erste Mal verliehen wurde, wird in der Art nicht mehr „verkauft“. Anders kann man es ja nicht ausdrücken. So hat die Jury ja nur einen kleinen Job in der Vergabe des Musikpreises. Klar ist, dass es bei der Beurteilung bzw. der Vergabe des Preises in erster Linie um Verkaufszahlen geht. Unter diesem Gesichtspunkt also haben Farid Bang und Kollegah den Preis mehr als verdient. Das Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ verkaufte sich mehr also 200.000 mal und erhielt somit den Platinstatus. Das ist, wie jeder Musiknerd weiß, heutzutage nicht einfach. Nach der Revolution durch Online-Streaming-Dienste wie Spotify, kauft sich kaum noch einer eine CD bzw. eine Vinyl – das ist aber ein anderes Thema. Fakt ist also, dass die beiden Künstler zurecht den Echo erhielten. In den Jahrescharts auf Platz 4 und mehrere Wochen auf Platz 1 sind eindeutige Zeugen dafür. Die Verkaufszahlen kann niemand leugnen. Doch darum geht es bei der hiesigen medialen Debatte auch nicht. Eher müssen wir uns fragen ob man die gedichteten Zeilen ("Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen"), welche die tragische Vergangenheit der Juden in der NS-Zeit, ironisch oder geschmacklos behandeln es verdienen mit dem größten deutschen Musikpreis ausgezeichnet zu werden. Hier stellt sich nun die Frage nach dem Unterschied zwischen der Legalität und der Legitimität. Zwar mögen manche die gerappten Verse – und es gibt noch diverse andere diskutierbare sexistische und frauenverachtende davon – als künstlerische Freiheit, vielleicht sogar als Satire sehen und doch dürfen die Fragen doch erlaubt sein: „Muss das sein? Ist das wirklich in Ordnung? Ist das Legitim?“

 

Versuchen wir das einmal zu erläutern:
Was Legal heißt, ist wahrscheinlich klar. Selbst, wenn man hier wieder differenzieren muss, was wirklich legal ist und was Volksverhetzung, Beleidigung oder eine Anstiftung zu einer Straftat ist. Gehen wir nun davon aus, dass die besagten Zeilen legal sind, so müssen wir (damit meine ich die Gesellschaft und vor allem, die, die Gesellschaft beeinflussen und leiten: Die Künstler und auch die Musikindustrie) darüber reden ob Legales auch wirklich Legitim ist. Anders gesagt: Ist es Legitim, dass Kollegah und Farid Bang den Echo bekommen haben, wenn man die Zeilen zwar als Legal ansieht, doch aber auch als geschmacklos und (eventuell gerade in der heutigen Zeit) verachtend und durch das hohe mediale Interesse, für manch einen vielleicht wegweisend?
Legitim bedeutet umgangssprachlich: „auch ohne Gesetz (moralisch) erlaubt.(
http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/pocket-politik/16479/legitim). Die Betonung sollte hier auf dem Wort „moralisch“ liegen. Wann ist etwas moralisch, wann nicht? Oder anders:

Ist Moral für jeden gleich? Bei diesen Fragen bewegen wir uns – denke ich – auf höchst Philosophischem Terrain. Und wie das so bei den Philosophen üblich ist, gibt es selten richtig oder falsch, schwarz oder weiß.
Was wir also festhalten müssen ist, dass die erste Frage, die der Legalität sein muss. Schützen unsere Gesetzte die Aussage, oder eben nicht. Hier ist das Prozedere recht einfach: Im Zweifel entscheiden über die Auslegung der Gesetzte die Gerichte. Hier können wir uns als Laien komplett raushalten. Wir müssen also davon ausgehen, da es nach Veröffentlichung des Albums keine Anklage wegen Beleidigung o.Ä. gab, dass es sich um legale Aussagen der Rapper handelt. Die Frage nach der Legitimität ist – wie man inzwischen merken müsste – nicht so einfach zu beantworten. Sollte es für die Künstler moralisch in Ordnung sein, solche Texte zu schreiben und einer breiten Masse zu präsentieren, dann ist das so. Fragwürdig, aber eben okay. Eine andere Verantwortung hat indes die Jury des Echos. Die hat zwar nicht viel zu sagen, hätte aber theoretisch ein Veto einlegen können. Ist es für die Jury in Ordnung, stellvertretend für die Künstler, fragwürdige Zeilen einer breiten Masse zu präsentieren, ja sogar zu huldigen, so ist es für sie moralisch nicht verwerflich und anscheinend auch okay. Schaut man sich nun die Zusammensetzung der Jury an, in der auch Würdenträger der Kirche sitzen, so muss man diese Frage wieder aus einem anderen Licht betrachten. Wie auch immer.... Im Endeffekt ist die moralische Grenze Einzelner differenziert, zu der von Anderen, zu betrachten. Immer unter dem Aspekt, dass diese moralische Grenze nie unter die Hürde der Gesetze fällt.


Wenn also der Rapper, oder die Gesellschaft ein Hochspringer wäre und es schafft über die, durch die Gerichte aufgelegte Latte zu springen, so kann man ihn nicht für die ekelhaften Farben seiner Sporthose angreifen. Oder etwa doch? Kann man vielleicht doch anmerken,

dass weiße Hosen mit braunen Flecken am Gesäß die Mengen zu sehr anwidern? Wer weiß? Man kann ja wegschauen. Verboten ist es jedenfalls nicht. Also lassen wir ihn springen!


Die Weite der Moral und des Geschmacks ist ja auch nicht erst seit gestern in Deutschland durchaus weit gestreut.


Niveau ist keine Handcreme.


Lutz Nickel